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Mal ganz persönlich: Interview mit Karl-Heinz Brendgen, Managing Director of Sustainability Research der ÖKOWORLD AG

Karl-Heinz Brendgen (K) wurde interviewt von Marketingmitarbeiterin Judith Gerdau (J)

Karl-Heinz Brendgen, Managing Director of Sustainability Research AG

Judith Gerdau, Marketingmitarbeiterin

J: Welche Person, die eine Rolle in deinem Leben spielt, sollte ich fragen: „Wer ist eigentlich Karl-Heinz?“, und was würde diese Person antworten?

K: Meine Cousine Eva - quasi meine „große Schwester“- könnte sicherlich viel dazu sagen. Ich denke, sie würde vor allem etwas dazu sagen, wie wir die viel zu wenige gemeinsame Zeit - sie wohnt weit weg- verbringen und sicher auch dazu, welche Rolle ich in ihrem Leben spiele. Z.B. unterstütze ich Eva bei ihrem Engagement im Gesundheitsbereich. Eva ist Ernährungs- und Ayurveda-Beraterin und -Anwenderin. Wir stehen da im ständigen Austausch.


J: Wobei vergisst du die Zeit?

K: Für mich eine „Fangfrage“. Ich bin Anhänger eines rigiden Zeitmanagements. Die Zeit vergessen kann ich in der Natur, aber auch im Kunst- oder Stadtmuseum. Geschichte ist mein Hobby - habe ich ja neben Philosophie und Pädagogik studiert. Wenn sich Zeit und Gelegenheit bieten, was mindestens zwei-, dreimal im Jahr der Fall ist -z.B. immer, wenn ich in Berlin bin - verbringe ich mit Eva und Freunden meine Zeit oft in Museen.


J: Worauf kannst du nicht verzichten?

K: Krimis, ob in Buchform oder im Fernsehen, gehören in jedem Fall dazu. Vor allem liebe ich Krimireihen mit viel Lokalkolorit. Z.B. die Krimis von Donna Leon (Commissario Brunetti) oder von Martin Walker(Bruno Chef de Police), die in Venedig bzw. im südfranzösischen Périgord spielen. Dann wäre da noch Musik, genauer Rockmusik, vor allem Filmaufnahmen von Livekonzerten. Da gibt es im Internet viele alte Aufnahmen mit Gänsehaut-Faktor, z.B. eine Aufnahme des Anti-Vietnam-Krieg-Songs „Child in Time“ von Deep Purple aus dem Jahr 1970.


J: Was fehlt unserer Gesellschaft?

K: Empathie, Rücksichtnahme, Genügsamkeit - zugunsten anderer, denen es nicht so gut geht wie einem selbst - sind seit vielen Jahren zurückgegangen. Da müsste von „ganz oben“ (Politik) angefangen bis „ganz unten“ (jede/r Einzelne) ein Ruck durch die Gesellschaft gehen. Aktuell sehe ich da allerdings viel zu viel, was sich in die falsche Richtung bewegt. Dabei geht vieles auf das Konto der Sozialen Medien. Dazu gibt es wissenschaftliche Studien. Weniger wissenschaftlich, dafür von einem Insider geschrieben (Jaron Lanier), ist das Buch „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“. Lesenswert.


J: Wann und warum wurde Umweltbewusstsein ein Thema für dich?

K: Ich habe mich schon in meinem Studium in den 1970er Jahren aus wissenschaftskritischer Perspektive mit wichtigen Umweltthemen wie Atomkraft befasst. Mitte der 1980er Jahre war ich in Düsseldorf kurze Zeit in der Kommunalpolitik (Umweltausschuss). Da ging es um die Umsetzung der ersten Luftreinhalte-Gesetze. Erschreckend, aber wahr: Die Luftverschmutzung durch den Autoverkehr war schon damals ein wichtiges Thema. Wie wir wissen, hat sich seither viel zu wenig getan. Das gilt leider auch für die meisten anderen Umweltprobleme.


J: Warum hast du dich entschieden, für die ÖKOWORLD zu arbeiten?

K: Da muss ich etwas ausholen. Ich habe Alfred & Klaus schon 1984 kennengelernt. Ich gehörte damals zum engen Kern der Initiatoren der Ökobank-Gründung in Frankfurt. Wir brauchten unbedingt die Unterstützung durch die alternative Finanzszene. In Düsseldorf waren Alfred & Klaus die führenden Akteure. Also wurde ich „Dauergast“ auf der Märkischen Straße, dem damaligen Büro der beiden. Als 1990 die Gründungsphase der Ökobank abgeschlossen war - ich war bis dahin im Aufsichtsrat -, bin ich aus Interesse als Mitarbeiter bei der Versiko, die mittlerweile (1987) gegründet war, eingestiegen. Kunde war ich ja längst. Ich habe u.a. dabei mitgeholfen, das Investmentfondsgeschäft aufzubauen, vor allem auch mit den ersten Ökofonds, die es am Markt gab. Das war eine spannende Zeit. Ich habe damals von Alfred und Klaus sehr viel gelernt.


J: Wenn du eine Sache auf der Welt verändern könntest, was wäre das?

K: Da bin ich gerne blauäugig. Ich würde Waffen und Rüstung vollständig abschaffen. Dann wäre genug Geld da, für alles andere: Beseitigung der Armut, Bekämpfung des Klimawandels, nachhaltige Entwicklung. Träumen darf man, denke ich …


J: Hast du einen Tipp für jemanden, der anfangen will, sein Leben nachhaltiger und bewusster zu gestalten?

K: Nicht zu viel auf einmal erreichen wollen. Leider hat sich unsere Lebensweise ja ganz weit von einem nachhaltigen Pfad entfernt. Umso länger ist die Liste, was man verändern könnte. Ganz einfach sind z.B. der Wechsel zu einem Ökostromanbieter und der Verzicht auf Plastiktragetüten. Und dann sollte man mit der Ernährung und überhaupt mit der Gesundheit weitermachen, z.B. weniger Fleisch und Zucker und mehr Bewegung, z.B. durch Radfahren. Weil man davon auch selbst etwas hat. Änderungen beim Einkaufverhalten erfordern schon größeren Mut. Das gilt z.B. für den Kauf teurerer Kleidung, die man dafür länger nutzt, und für den Kauf von „runderneuerten“ Second-Hand-Produkten, z.B. für Wohnung und Haushalt.