Nachhaltiges Investieren – was ist das?

Und was sind die 10 wichtigsten Fragen von Anlegerinnen und Anlegern?

Zusammenfassung

Nachhaltiges Investieren bedeutet, Kapital nicht nur nach finanziellen Kriterien anzulegen, sondern zusätzlich zu prüfen, welche ökologischen und sozialen Auswirkungen mit einer Anlage verbunden sind. Anlegerinnen und Anleger fragen also zum einen „Welche Rendite kann ich erwarten?" und zum anderen „Was finanziert mein Geld?"

Im Kern verbindet nachhaltiges Investieren drei Perspektiven:

1

Finanzielle Verantwortung

Das Geld soll passend zum Anlageziel, Risikoprofil und Zeithorizont angelegt werden.

2

Persönliche Werte

Die Anlage soll möglichst nicht in Unternehmen, Branchen oder Praktiken fließen, die den eigenen Überzeugungen widersprechen – das betrifft unterschiedliche Vorstellungen beispielsweise bei Waffen oder Atomkraft.

3

Zukunftsfähigkeit

Kapital soll bevorzugt in Geschäftsmodelle fließen, die langfristig verantwortungsvoll mit Umwelt, Menschen, Ressourcen und guter Unternehmensführung umgehen.

Nachhaltige Geldanlage ist damit kein Gegensatz zu einer professionellen Kapitalanlage. Sie ist vielmehr eine Erweiterung der klassischen Anlageprüfung. Neben Rendite, Risiko, Kosten und Streuung werden auch Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung betrachtet. Die EU-Offenlegungsverordnung verpflichtet Finanzmarktteilnehmer im Übrigen dazu offenzulegen, wie Nachhaltigkeitsrisiken berücksichtigt werden und welche nachteiligen Auswirkungen Investitionen auf Umwelt und Gesellschaft haben.

Wichtig ist aber auch: Nachhaltiges Investieren ist kein Garant für Rendite, Sicherheit oder messbare Wirkung. Auch nachhaltige Fonds können schwanken, Verluste verursachen oder nicht zu jedem Anleger oder zu jeder Anlegerin passen. Deshalb sollte die entscheidende Frage immer lauten: Passt dieses nachhaltige Produkt zu meinen persönlichen Werten, meinem Anlageziel, meinem Risikoprofil und meinem Zeithorizont? Beraterinnen und Berater helfen Ihnen immer gern, das herauszuarbeiten.

Was bedeutet nachhaltiges Investieren in einfachen Worten?

Nachhaltiges Investieren bedeutet: Eine Anlegerin oder ein Anleger entscheidet bewusst, wem sie oder er das eigene Geld anvertraut.

Bei einer klassischen Kapitalanlage stehen meist im Mittelpunkt:

  • Wie hoch sind die Renditechancen?
  • Welche Risiken bestehen?
  • Wie lange sollte ich investiert bleiben?
  • Welche Kosten entstehen?
  • Wie gut ist das Geld gestreut?

Bei einer nachhaltigen Kapitalanlage kommen weitere Fragen hinzu:

Und Anleger fragen nicht nur „Ist das grün?", sondern vor allem „Ist es glaubwürdig, passt es zu mir, ist es finanziell sinnvoll – und bewirkt es tatsächlich etwas?"

Als Basis für eine Recherche dazu eignen sich Regulierungs-, Verbraucher-, Aufsichts-, Research- und Marktquellen.

Die 10 wichtigsten Fragen von Anlegern beim nachhaltigen Investieren

Hier die Fragen nach Anleger-Relevanz priorisiert – es geht um Entscheidungssicherheit, Risiko, Rendite, Greenwashing, Wirkung und praktische Umsetzbarkeit.

1

Ist das Produkt tatsächlich nachhaltig – oder nur grün vermarktet?

Greenwashing ist eines der Hauptprobleme nachhaltiger Geldanlage. BaFin, ESMA, IOSCO, OECD und Verbraucherzentralen betonen, dass Anlegerinnen und Anleger nachvollziehen müssen, ob Nachhaltigkeitsaussagen belegt, verständlich und überprüfbar sind.

2

Passt die Nachhaltigkeit des Produkts zu meinen persönlichen Werten?

„Nachhaltig“ bedeutet je nach Anleger etwas anderes: Klima, Menschenrechte, Ausschlüsse, Transformation, Best-in-Class, Impact oder ESG-Risikomanagement. Verbraucherzentralen empfehlen ausdrücklich, zuerst die eigenen Erwartungen zu klären.

3

Welche Strategie nutzt das Produkt: Ausschluss, Best-in-Class, ESG-Integration, Themenfonds, Impact oder Engagement?

Viele Anlegerinnen und Anleger verwenden „nachhaltig“ als Sammelbegriff. Tatsächlich unterscheiden sich die Ansätze stark: Ausschluss vermeidet bestimmte Branchen, ESG-Integration bewertet Risiken, Themenfonds investieren gezielt in Sektoren, Impact will messbare Wirkung erzielen.

4

Muss ich bei nachhaltigen Anlagen auf Rendite verzichten?

Nachhaltige Produkte haben grundsätzlich ähnliche Chancen und Risiken wie vergleichbare konventionelle Produkte derselben Anlageklasse. Entscheidend sind Anlageklasse, Diversifikation, Kosten, Laufzeit und Risikoprofil – nicht das Nachhaltigkeitslabel.

5

Welche Risiken gehe ich ein – finanziell und nachhaltigkeitsbezogen?

Anlegerinnen und Anleger müssen sowohl klassische Risiken verstehen – Kursschwankungen, Konzentration, Liquidität, Kosten – als auch Nachhaltigkeitsrisiken wie Klima-, Transitions-, Reputations- oder Datenrisiken.

6

Bewirkt meine Geldanlage tatsächlich etwas in der realen Welt?

Viele Anlegerinnen und Anleger wollen mit ihrem Geld „etwas bewirken“. Der Nachweis realer Wirkung ist aber besonders bei Fonds und ETFs schwierig. Wichtig kann Anlegerinnen und Anlegern einfach sein: Wo bin ich dabei und wo eben nicht?

7

Welche Unternehmen oder Branchen sind trotzdem im Fonds enthalten?

Ein nachhaltiger Fonds kann leider Unternehmen enthalten, die Anlegerinnen und Anleger nicht erwarten – etwa immer noch fossile Energie, komplexe Emittenten oder kontroverse Geschäftsmodelle, je nach Strategie und Regelwerk. Deshalb sind Portfolio-Transparenz, Ausschlusskriterien und Schwellenwerte entscheidend.

8

Wie verlässlich sind ESG-Ratings, Daten und Nachhaltigkeitskennzahlen?

ESG-Ratings messen nicht immer „gute Wirkung“, sondern oft auch, wie gut ein Unternehmen ESG-Risiken managt. OECD, Eurosif und Morningstar weisen auf Datenlücken, unterschiedliche Methodiken und teils divergierende Bewertungen hin.

9

Ist das Produkt gut diversifiziert und langfristig passend für mein Portfolio?

Nachhaltigkeit ersetzt keine Portfoliologik. Anlegerinnen und Anleger müssen weiterhin prüfen: Aktien, Anleihen, Mischfonds oder Sachwerte? Global oder thematisch? Breit gestreut oder konzentriert? Für welchen Anlagehorizont und welche Risikotragfähigkeit?

10

Woran erkenne ich ein seriöses nachhaltiges Anlageprodukt oder einen seriösen Anbieter?

Wichtige Prüfpunkte sind klare Anlagepolitik, nachvollziehbare Ausschlüsse, transparente Portfoliodaten, messbare Nachhaltigkeitsziele, Kosten, Risiken, regelmäßiges Reporting, regulatorische Einstufung und verständliche Kommunikation.

Verdichtete Anleger-Checkliste

Anlegerinnen und Anleger sollten vor einer nachhaltigen Investition mindestens diese Punkte beantworten können:

  • Was bedeutet Nachhaltigkeit für mich konkret? Klima, Umwelt, Menschenrechte, soziale Kriterien, Governance, Ausschlüsse, Transformation oder messbare Wirkung?

  • Welche Strategie verfolgt das Produkt? Nur ESG-Risikoanalyse oder echte Nachhaltigkeits- oder Wirkungs-Ziele?

  • Welche Unternehmen und Branchen sind enthalten – und welche ausgeschlossen?

  • Wie werden Nachhaltigkeitsaussagen belegt? Daten, Methodik, Reporting, externe Standards?

  • Welche finanziellen Risiken, Kosten und Renditeerwartungen bestehen?

  • Passt das Produkt zu Anlageziel, Risikoprofil und Zeithorizont?

Häufig gestellte Fragen

Nein, nachhaltiges Investieren bedeutet nicht, auf Rendite zu verzichten. Nachhaltige Fonds und Anlagen sind keine eigene Anlageklasse mit einem eingebauten Renditenachteil. Sie investieren – je nach Produkt – ebenfalls in Aktien, Anleihen, Mischportfolios, Immobilien, Infrastruktur oder andere Anlageformen. Deshalb hängen Rendite und Risiko auch bei nachhaltigen Anlagen vor allem von klassischen Faktoren ab: Anlageklasse, Kosten, Streuung, Laufzeit, Marktumfeld, Managementqualität und Risikoprofil.

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Deutschland stellt die steuerlich geförderte private Altersvorsorge ab 2027 neu auf. Der Kern ist das Altersvorsorgedepot: ein staatlich geförderter Vorsorgevertrag, bei dem Bürgerinnen und Bürger stärker in Kapitalmarktanlagen wie Fonds und ETFs und auch nachhaltigen Strategien investieren können.

Greenwashing bedeutet: Ein Finanzprodukt wirkt in Werbung, Name oder Darstellung nachhaltiger, als es tatsächlich ist. Für Anleger ist das ein ernstes Problem, weil sie ihre Anlageentscheidung häufig nicht nur aus Renditegründen treffen, sondern auch aus Überzeugung.
Für Anleger lautet die wichtigste Regel daher: Nachhaltigkeit muss konkret, prüfbar und nachvollziehbar sein. Je allgemeiner die Aussage, desto genauer sollte nachgefragt werden.

Ja, nachhaltige Geldanlage entfaltet Wirkung – aber nicht jede als nachhaltig beworbene Anlage bewirkt automatisch etwas in der realen Welt. Entscheidend ist, welche Art von Produkt gewählt wird, welche Nachhaltigkeits- und Engagementstrategie umgesetzt wird und wie transparent der Anbieter über Ziele, Methoden, Grenzen und Ergebnisse berichtet.

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